Das Schulprofil der Freien Waldorfschule Göttingen
Waldorfschulen – weltweit
Die erste Waldorfschule wurde 1919 von Emil Molt (1876-1936), dem Besitzer der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik in Stuttgart gegründet und pädagogisch von Rudolf Steiner eingerichtet und geleitet. Mit ihr wurde zum ersten Mal das Prinzip sozialer Gerechtigkeit im Bildungswesen verwirklicht. Unabhängig von sozialer Herkunft, Begabung und erstrebtem Abschluss erhalten junge Menschen eine gemeinsame Bildung. Als erste Gesamtschule haben die Waldorfschulen das mit dem vertikalen Schulsystem verbundene Prinzip der Auslese durch eine Pädagogik der Förderung und Gleichberechtigung ersetzt.
Waldorfschulen gibt es mittlerweile auf allen Kontinenten. Sie verbindet die konsequente Frage, was der gesunden Entwicklung des Kindes und des Jugendlichen dient. Damit eröffnet sie dem werdenden Menschen die Möglichkeit zur Entfaltung aller persönlichen Begabungen und zur größtmöglichen Entscheidungsfreiheit im Erwachsenenalter. So zeigt sie sich auf lange Sicht gesehen zukunftsorientierter als andere pädagogische Ansätze.
Wir pflegen partnerschaftliche Kontakte zu Waldorfschulen in England und in den USA.
Die Freie Waldorfschule Göttingen ist eine staatlich genehmigte Schule in freier Trägerschaft. Sie wurde 1979 eröffnet und steht allen Schülerinnen und Schülern in der Region Südniedersachsen/Nordhessen offen.
Sie verfolgt, wie alle Waldorfschulen, über die staatlichen Abschlüsse hinaus ein weitergehendes Bildungskonzept, das sich zum Ziel gesetzt hat, alle Fähigkeitsbereiche, nicht nur die kognitiven, zur Entfaltung zu bringen. Das Erreichen dieses Ziels ist eng mit der praktizierten Lehrmethode verbunden.
Entwicklungsorientierte Lehrmethode
Das Besondere der Methode liegt darin, dass die Unterrichtsinhalte und Unterrichtsformen auf die Prozesse kindlichen Lernens und die Stufen der Entwicklung in Kindheit und Jugend abgestimmt sind. Den Unterrichtsinhalt an das jeweilige Alter der Kinder anzupassen, ist ein wesentlicher Bestandteil effektiven Lernens. Vor diesem lernpsychologischen Hintergrund ist das "Sitzenbleiben" keine Option an einer Waldorfschule.
Alle Schülerinnen und Schüler, die in die erste Klassen aufgenommen werden, durchlaufen daher ihre gesamte Schulzeit gemeinsam. Dies erfordert eine ausgewogene Binnendifferenzierung in den Klassen, was hohe pädagogische Anforderungen an die jeweiligen Lehrerinnen und Lehrer stellt. Dieser Einsatz zielt auf die Ausbildung eines sozialen Grundgefühls: In einer heterogenen Klassengemeinschaft fällt niemand „hinten runter“.
Bildhafter Unterricht
In den ersten Schuljahren, in denen die eigene Urteilskraft der Schüler erst heranreift, ist "bildhafter" Unterricht ein wesentliche Unterrichtsprinzip. Die Tatsachen werden so behandelt, dass die Schüler zusammen mit dem Anschaulichen auch das Gesetzmäßige und Wesenhafte der Dinge im Sinne echter Bilder verstehen und erleben lernen.
Künstlerisch-handwerklicher Unterricht
Der Lehrplan der Waldorfschulen ist auf die Weite der in den Kindern liegenden seelischen und geistigen Veranlagungen und Begabungen ausgerichtet. Deshalb tritt vom 1. Schuljahr an neben die mehr sachbezogenen Unterrichtsgebiete ein vielseitiger künstlerischer Unterricht. Durch diesen werden die für den einzelnen Menschen wie für die Gesellschaft wichtigen schöpferischen Fähigkeiten und Erlebniskräfte gefördert. Insbesondere können dadurch auch die vielfältigen Intelligenzpotenziale, welche im Gemüthaften und im Motorischen, bzw. Feinmotorischen liegen zur Entfaltung kommen und so die kognitiven Fähigkeiten wirksam unterstützen und ergänzen.
Handwerklich-künstlerischer Unterricht fördert nicht nur die differenzierte Ausbildung des Willens und die lebenspraktische Orientierung des Schülers, sondern er bringt auch wohltuenden Rhythmus in den Tag. Lernen und schöpferisches Arbeiten wechseln einander ab, wie Einatmen und Ausatmen.
Wissenschaftlicher Unterricht
Dem Streben nach eigener Lebensgestaltung und Urteilsbildung etwa vom 14. Lebensjahr an entspricht der wissenschaftliche Charakter vieler Unterrichtsfächer vom 9. bis 12. Schuljahr. Die Waldorfschulen sehen hier die pädagogische Aufgabe nicht so sehr darin, eine voruniversitäre Ausbildung zu betreiben, sondern den Unterricht inhaltlich so zu vertiefen, dass sich die jungen Menschen damit verbinden können und Antworten auf ihre Lebensfragen finden.
Gleichzeitig werden aber auch hohe fachliche Maßstäbe angelegt. Der wissenschaftliche Unterricht an unserer Schule wird ausschließlich durch Menschen gegeben, die „vom Fach“ sind, d.h. die entsprechenden Hochschulabschlüsse vorlegen können. Sogenannter fachfremder Unterricht ist nicht üblich.
Für Schüler und Schülerinnen mit besonderen wissenschaftlichen Neigungen und Interessen besteht an unserer Schule darüber hinaus die Möglichkeit, die Angebote des X-Lab in Göttingen zu nutzen.
Epochenunterricht
Ein wichtiges Mittel, um den Unterricht rationell zu gestalten, ist die Form des Epochenunterrichtes. Er wird in den Fächern durchgeführt, in denen Sachgebiete in sich geschlossen behandelt werden können (Deutsch, Geschichte, Mathematik, Naturwissenschaften usw.).
Über mehrere Wochen hinweg wird täglich von 8 Uhr bis 10 Uhr (Hauptunterricht) ein Fach behandelt.
Gebiete, die laufender Übung bedürfen (künstlerischer Unterricht, Englisch, Französisch meist vom 1. Schuljahr an), werden in fortlaufenden Fachstunden erteilt.
Ab der 5.Klasse werden auch Deutsch und Mathematik zusätzlich zu den Epochen in Übstunden vertieft.
Praktika
Ein wichtiger Bestandteil des Schulkonzeptes sind die Praktika der Oberstufe. Sie dienen nicht nur der Vertiefung der Unterrichtsinhalte, sondern sie vermitteln auch intensive Lebenserfahrungen über die eigenen individuellen und sozialen Fähigkeiten.
Viele Schüler betrachten im Nachhinein diese Erfahrungen oft als besonders prägend und erlebnisreich.
9. Klasse: Landwirtschaftspraktikum
10. Klasse: Feldmessen und ggf. Navigationspraktikum auf einem Segelschiff.
11. Klasse: Betriebspraktikum
Warteklassenbereich
Der Warteklassenbereich der Schule steht Kindern der Klassen 1 bis 4 zur Verfügung. Hier werden diejenigen Kinder von einer engagierten Fachkraft liebevoll betreut, welche nach Unterrichtsschluss noch nicht nach Hause gehen können.
Schulküche
Die Schule verfügt über eine große, professionell geführte Schulküche, die von Eltern und Schülern stark frequentiert wird. Hier können täglich über 100 vegetarische und nichtvegetarische Essen ausgegeben werden. Für den kleinen Hunger gibt es eine Salatbar mit bis zu zehn verschiedenen Salaten, die nach eigenem Geschmack kombiniert werden können.
Selbstverwaltung
Als freie Schulen haben die Waldorfschulen die hierarchisch organisierte Außenlenkung der staatlichen Schulen durch eine freilassende Selbstverwaltung ersetzt. Diese erfolgt durch Eltern und Lehrer gemeinsam und stellt ein sehr zukunftsorientiertes soziales Erfahrungsfeld dar. Eine zusammenfassende Übersicht aller Gremien stellt das Organigramm dar, das Sie auf unserer Homepage finden.
Die pädagogische Leitung liegt bei der wöchentlich stattfindenden Lehrerkonferenz, an der alle Lehrer gleichberechtigt mitwirken. Das Bemühen um das Verständnis des heranwachsenden Menschen, seiner Lebensgesetze und um Fortentwicklung der Pädagogik auf der Basis der anthroposophischen Geisteswissenschaft bildet die gemeinsame Grundlage.
Eine vom Kollegium gewählte Schulführungsgruppe leitet und organisiert die Prozesse, die z.B. mit Organisation, Personalfragen und Qualitätsentwicklung zu tun haben.
Über die Einstellung neuer Lehrer beraten Kollegiums- und Elternvertreter gemeinsam.
Die rechtliche und finanzielle Seite des Schullebens wird vom Vorstand des Trägervereins, der sich aus Eltern- und Lehrervertretern zusammensetzt, und von der Geschäftsführung beachtet und verantwortet. Unterstützt werden sie von den Mitarbeiterinnen der Verwaltung und von einer unabhängigen, externen Wirtschaftsprüfung. Zurzeit untersuchen wir, ob eine Veränderung in der Vereinsstruktur, bei der zum Einen der alte „Vorstand“ durch einen „Aufsichtsrat“ ersetzt und zum Anderen ein „geschäftsführender Vorstand“ eingesetzt wird, den Aufgaben und Verantwortlichkeiten der Gremien gerechter wird.
Qualitätsentwicklung
Seit mehreren Jahren durchläuft die Schule einen von professioneller Seite unterstützten Qualitätsentwicklungsprozess mit den Schwerpunkten Kommunikation/Information und Unterrichtsqualität. Schriftliche, anonymisierte Rückmeldungen teils von Schülern, teils von Eltern, sowie gegenseitige Hospitationen innerhalb des Kollegiums werden gemeinsam ausgewertet und detailliert besprochen.
Fortbildungen werden vom Kollegium und von der Elternschaft als notwendig und hilfreich erachtet. Deshalb wurde mit der Gründung der Schule ein Fonds zur finanziellen Unterstützung von Fortbildungen eingerichtet. Neben den internen Fortbildungen im Rahmen der Konferenzarbeit werden externe Fortbildungen gefördert. In regelmäßigen Personalgesprächen zwischen einzelnen Kollegen und Mitgliedern der Schulführung werden darüber hinaus notwendige Fortbildungen erörtert und verabredet.
Die Schulführung selbst unterzieht sich einer regelmäßigen, professionellen Supervision.
Kriterien und Maßnahmen für die Qualitätsentwicklung von Waldorfschulen werden außerdem im Rahmen der Landesarbeitsgemeinschaft und des Bundes der Waldorfschulen erarbeitet und abgestimmt. An diesen Beratungen sind Vertreter der Waldorfschule Göttingen stimmberechtigt beteiligt.
Mitwirkung von Eltern und Schülern
Eltern und Lehrer sehen sich in der Verantwortung eines gemeinsamen Erziehungsauftrags. Sie bringen ihre Kompetenzen, Erfahrungen und Stärken in verschiedenste Bereiche des Schullebens ein. Dazu sind gegenseitiger Respekt und gegenseitiges Verständnis, aber auch Vertrauen unabdingbar.
Dieses baut sich in der regelmäßigen Begegnung und im Gespräch auf.
In erster Linie sind da die individuellen Kontakte zwischen Elternhaus und Lehrkraft zu nennen. Zum Gelingen des Erziehungsprozesses trägt der offene Austausch über die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Entwicklung des Kindes bei.
Auf Elternabenden, die von Eltern und Lehrern gemeinsam vorbereitet werden, bietet sich neben dem Austausch von Informationen die Möglichkeit, gemeinsam tiefer in die jeweilige Entwicklungsstufe einer Klasse hinein zu blicken und somit ein besseres Verständnis für das pädagogische Handeln der Lehrkräfte zu gewinnen und Anregungen für die elterliche Erziehungsarbeit zu bekommen. Auf Elternwochenenden werden solche Ansätze vertieft. Im Sinne einer wirksamen, stützenden Begleitung des eigenen Kindes wünschen wir uns eine regelmäßige Teilnahme an solchen Veranstaltungen.
Über die obengenannten Aufgabenbereiche der Mitarbeit in Vorstand und Einstellungsgremium hinaus gibt es weitere Möglichkeiten für Eltern, sich zu engagieren.
Die gewählten Elternvertreter jeder Klasse und alle, die an einer regelmäßigen Mitarbeit Interesse haben, bilden den Eltern-Lehrer-Kreis, der einmal im Monat tagt. Hier werden Wahrnehmungen, Fragen und Informationen aus dem ganzen Schulorganismus zusammengetragen und beraten. Die Elternvertreter berichten darüber auf den Elternabenden ihrer Klasse, das Leitungsgremium des Eltern-Lehrer-Kreises informiert die Konferenz.
Nach außen hin vertreten Eltern unsere Schule in den entsprechenden Gremien von Stadt und Landkreis und in denen des Bundes der Waldorfschulen.
Der Elternbeitragskreis kümmert sich in Absprache mit der Geschäftsführung und dem Vorstand um die Festsetzung des Schulgeldes und führt im Bedarfsfall Gespräche mit einzelnen Elternhäusern (weitere Informationen zum Schulgeld: s.u.).
In verschiedenen anderen Arbeits- und Initiativkreisen treffen sich Eltern und Lehrer, um notwendige oder hilfreiche Aufgaben im weiteren Umfeld des eigentlichen Unterrichtsbetriebes anzugehen (Bsp.: Musikförderkreis, Martinsmarktinitiative, Kleidermarkt).
Eine Reihe von pflegenden Arbeiten im Schulgebäude und auf dem Außengelände der Schule werden von Eltern organisiert und durchgeführt. Jedes Elternhaus trägt dazu mit fünf Stunden pro Jahr bei.
Unsere Schüler haben eine gewählte Vertretung, die sich regelmäßig in einem eigenen Raum zu Sitzungen trifft, um Belange der Schülerschaft zu erörtern. Über einen Betreuungslehrer besteht Kontakt zum Kollegium. Ein Mitglied der Schülervertretung nimmt an den Sitzungen des Eltern-Lehrer-Kreises teil. Bei erweitertem Gesprächsbedarf entsendet die Schülervertretung Abgesandte in die Lehrerkonferenz.
Konfliktbearbeitung
Trotz aller Bemühungen um eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entstehen in Gemeinschaften hin und wieder Konflikte, die bewältigt werden müssen.
Im Zuge unserer Entwicklungsbegleitung haben wir ein Gremium aus gewählten Eltern- und Lehrervertretern eingerichtet, welches sich unter professioneller Begleitung fortbildet und im Bedarfsfall aktiv wird. Unser Bestreben ist es, Konflikte in einem möglichst frühen Stadium zu erkennen, anzusprechen und auf der Ebene der direkt Betroffenen zu lösen.
Auf Seiten der Schülerschaft ist nach erfolgter Schulung ein Streitschlichtungsgremium entstanden, das bereits mehrfach erfolgreich tätig wurde.
Beide Gremien sind der Schulgemeinschaft bekannt, ihre Vertreter können jederzeit angesprochen werden.
Schulärztliche Betreuung
Durch eine schulärztliche Betreuung soll die gesunde Entwicklung der Kinder und Jugendlichen vor dem Hintergrund der anthroposophischen Menschenkunde unterstützt und gefördert werden. Beginnend mit der Einschulungsuntersuchung der Kinder vor der Aufnahme in die 1. Klasse hat die Schulärztin der Waldorfschule Göttingen die Aufgabe, im Sinne der Salutogenese in dem Dreieck Eltern-Lehrer-Kind vermittelnd und beratend tätig zu werden, damit die Kinder und Jugendlichen sich physisch gesund, seelisch frei und geistig klar entwickeln können. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine langjährige Begleitung und Beobachtung der Kinder und Jugendlichen vorgesehen, was durch Unterrichtsbesuche, durch Teilnahme an den Konferenzen, insbesondere bei Kinderbesprechungen, und durch persönliche Gespräche erreicht werden kann. Durch die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften wird pädagogische und medizinische Kompetenz zum Wohle der Kinder gebündelt.
Elternbeiträge (Schulgeld)
Waldorfschulen sind Schulen in freier Trägerschaft. Trotz staatlicher Anerkennung decken die vom Land Niedersachsen auf der Basis des Schulgesetzes gewährten Zuschüsse nicht die tatsächlichen Kosten des Schulbetriebs und der Erhaltung des Schulgebäudes. Wie alle Waldorfschulen in der Bundesrepublik ist auch die Göttinger Waldorfschule auf Elternbeiträge angewiesen, um dem eigenen pädagogischen Anspruch gerecht zu werden.
Die Elternbeiträge pro Kind sind in einer Beitragsordnung festgelegt, die die Mitgliederversammlung des Trägervereins der Schule, dem alle Eltern angehören, beschlossen hat. Die Beitragsordnung berücksichtigt die Zahl der Kinder in einer Familie sowie das Einkommen der Eltern und sichert damit den Anspruch, dass Kinder aus Elternhäusern mit geringem Einkommen nicht vom Schulbesuch ausgeschlossen werden. Hier wird ein System der finanziellen Solidarität der Elternhäuser untereinander praktiziert.
Die Lehrkräfte der Schule erhalten über das Einkommen der Eltern und die Höhe der monatlichen Elternbeiträge keine Informationen.
Ein Elternbeitragskreis, dem keine Lehrer angehören, kümmert sich in Absprache mit der Geschäftsführung und dem Vorstand des Trägervereins um die individuelle Festsetzung des Elternbeitrags entsprechend der Beitragsordnung. Im Bedarfsfall führt der Elternbeitragskreis mit einzeln Elternhäusern Gespräche über die Beitragshöhe. Veränderungen im Einkommen der Eltern wird zeitnah Rechnung getragen. Ein flexibler, vertraulicher Umgang mit der aktuellen finanziellen Situation der Eltern der Göttinger Waldorfschule wird praktiziert.
Schulentwicklung
Die Entwicklung der Waldorfschule Göttingen sehen Eltern und Lehrer als ständigen Prozess. Dies ergibt sich einerseits aus den Veränderungen in der Gesellschaft und den fachlichen Anforderungen an die Schulabsolventen, andrerseits aus den individuellen Ansprüchen der Kinder und Jugendlichen, die sich in einer hochtechnisierten Welt ständig neuen Herausforderungen gegenüber sehen, zu deren Bewältigung entsprechende Fähigkeiten entwickelt werden müssen. Hinsichtlich des Lehrplans und dessen methodisch/didaktischer Umsetzung wird versucht, die in der Waldorfpädagogik bewährten Ansätze zu bewahren und zu praktizieren, weil so die individuelle Entwicklung der Kinder optimal gefördert wird. In der Umsetzung sind jedoch Optimierungsschritte unerlässlich z.B. bei der Klassenstruktur in den unteren Klassen, die „schulbankgebunden“ oder „bewegt“ sein kann. Beides wird praktiziert, bedarf jedoch der Begleitung durch die Lehrerkonferenz und in Klassenbesprechungen. An der Waldorfschule Göttingen gibt es keine Festlegung auf eines der Modelle.
Eine andere Initiative zielt auf die Umgestaltung der Göttinger Waldorfschule hin zum vollen Ganztagsbetrieb. Da die Schüler ab der 7.Klasse bereits regelmäßig einen Nachmittagsunterricht besuchen, ist uns die grundlegende Idee einer Ganztagsschule nicht fremd. Im täglichen Umgang mit den Kindern und Jugendlichen wurden uns jedoch folgende Anliegen zunehmend deutlich:
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wir brauchen mehr Zeit für Begegnungen mit dem einzelnen Schüler auch außerhalb des bestehenden Unterrichts
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wir wollen den bestehenden Unterricht entzerren und uns vom Zeitdruck des vorhandenen Stundenplans oder öffentlicher Fahrpläne befreien
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wir wollen den Forderungen nach salutogenetischen Ansätzen in der Pädagogik besser Rechnung tragen
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wir wollen den älteren Schülern mehr Raum geben zu selbstverantwortlichem Lernen; pädagogische Ansätze wie die Portfolio-Arbeit brauchen Freiräume
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die Schule soll ein Ort werden, an dem die Schüler in Projekten und Arbeitsgemeinschaften auch ganz persönlichen Interessen nachgehen können; diese Projekte sollen das pädagogische Angebot der Schule erweitern und ergänzen
Schon mit Beginn des Schuljahrs 2006/2007 haben wir damit begonnen, in ersten kleinen Schritten auf die volle Ganztagsschule zuzugehen:
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Es gab an vier Tagen in der Woche eine Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag für Schüler der Klassen 5 - 10. Dieses Angebot wurde mangels Nachfrage auf einen Nachmittag reduziert.
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Frei zu wählende Kurse und AGs wurden eingerichtet.
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Die Kapazitäten der Schulküche sind erweitert worden.
Im Winter 2007/08 wurde unser Anbau fertig; er bietet die räumlichen Voraussetzungen für unser Vorhaben.
Die nächsten Schritte (andere Stunden- und Tagesplangestaltung) sind inhaltlich bereits vorbereitet und werden auf ihre Umsetzbarkeit hin geprüft. Wir wollen den Weg mutig, aber auch wohlbedacht gehen. Da die Umwandlung einschneidend sein wird, streben wir ein sorgfältig abgestimmtes Vorgehen aller beteiligten Verantwortlichen an. Jedes Elternhaus, jeder Kollege soll Zeit genug dafür bekommen, sich auf die Veränderungen einzustellen, ohne dass die Ziele der Waldorfpädagogik verloren gehen. Veränderungen im Schulbetrieb dürfen nicht irgendeinem Modetrend folgen, sondern müssen vor der individuellen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen verantwortet werden.
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